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1125 Jahre Oespel - die Chronik unseres Ortes
1125 Jahre Oespel - d.h. die älteste
urkundliche Erwähnung Oespels datiert aus dem Jahre 882. Aber
eigentlich, so beweisen es urzeitliche Funde, ist die Ansiedlung des
Gebietes in und um Oespel wesentlich älter.
Eine erste Besiedlung des Oespeler Ortsgebietes lässt sich auf die
Bronzezeit datieren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden auf einem Feld
zunächst einige Urnengräber entdeckt, die aus der Zeit von etwa 1500
bis 800 v. Chr. stammen. Bei neuerlichen Grabungen im Jahre 1991 wurden
schließlich insgesamt 28 Hügelgräber nachgewiesen, in denen sich
Verbrennungsreste in Urnen sowie vereinzelt Grabbeigaben fanden. Es
kann nicht gesagt werden, wo sich die zu diesem Friedhof gehörige
Siedlung befunden hat und wer die Bewohner waren, die ungewöhnliche
Größe der Gräber deutet aber auf eine besondere Stellung dieses
Friedhofs hin. Bei den Grabbeigaben wurde eine kleine Kugel aus
Eisenblech gefunden. Es handelt sich dabei um den ältesten Eisenfund im
Ruhrgebiet. Man nimmt an, dass die Kugel über den Hellweg in diese
Gegend gekommen ist, da die Eisengewinnung hier noch unbekannt war.
Die heutige Gemarkung Oespel ist wesentlich jüngeren Datums. Im
Heberegister (Urbar) des Klosters Werden (damals unter Liudgerer-Abt
Hildgrim II.) finden sich Dokumente, die für das Jahr 882 eine
Bauernschaft als "uilla Tospelli" belegen, in dem Tidbald von einer
ganzen Hufe (= Hof) je 24 Scheffel Gerste und Roggen, zwei Scheffel
Mehl, ein Huhn und acht Pfennig Heerschilling abliefern musste und ihm
Herbergspflicht für Klosterbeamte oblag, sowie Sebrath, der den dritten
Teil einer Hufe gepachtet hatte und dafür dem Kloster zehn Scheffel
Gerste und ebenfalls acht Pfennig Heerschilling entrichten musste.
Andere überlieferte Namensformen sind Tospelli, Tospele, Tospelle,
Tuspell, Tospel. Die vermutliche Bedeutung stammt von tho + spel oder
tho + spelen als "zum Spiel" oder "zur Gemeinschaft" (Kirchspiel)
gehörig. So suchten die Bewohner Schutz bei einer bestehenden
Gemeinschaft in unsicheren Zeiten.
Oespel liegt am Südrand der Westfälischen Bucht im Übergangsgebiet an
der Nordabdachung des Stockumer Rückens, eines Teils des Ardeygebirges.
Durch die strategisch brisante Lage zwischen zwei Heerstraßen, dem
Hellweg im Norden und dem Ardey-Höhenweg im Süden vor den Mauern der
freien Reichsstadt Dortmund, geriet Oespel mehrfach zwischen die
Fronten von Kriegen und Politik.
So erstmalig im Jahre 938 als Kaiser Otto I. (der Große) seinen
"Konflikt" um die Burg Dortmund gegen seinen Bruder Heinrich II.
austrug. Oespel gehörte zu der Zeit zum Herzogtum Sachsen.
Als im Jahre 1160 Kaiser Friedrich Barbarossa dem Welfen Heinrich dem
Löwen die Lehen des Herzogtums entzog, wurde das Gebiet zur Grafschaft
Mark unter Verwaltung des Erzbistums Köln, von dem man sich in der
Schlacht von Worringen am 5.6.1288 abspaltete.
In den Jahren 1315/16 starb ein großer Teil der Bevölkerung an der
"caristia Maxima", der größten Hungersnot im Mittelalter.
Der nächste geschichtliche Beleg ist vom 11. Mai 1357, als ein Gobele,
Vrygrafe van Lymburg mit seiner Gemahlin Cunigund in Oespel ansiedelte
und somit dieses Gebiet dem Rechtsanspruch der Grafschaft Limburg (dem
heutigen Hagen-Hohenlimburg) unterordnete. Seiner Präsenz verdanken wir
unser Wappen, dem "Oespeler Schragen", das ursprünglich den Bügelhelm
des Gobele mit rot-silberner Helmdecke und Helmwulst, sowie sein Schild
mit zwei schräggekreuzten, silbernen Heugabeln auf rotem Grund
darstellt.
Vermutlich war Cunigund eine Tochter des Dorfes, die sich einen Gemahl
von außerhalb nahm, da um 1351 der "Schwarze Tod" (Pest) den
überwiegenden Teil der Einwohner des Gebietes stark dezimierte. In
einem Brief im Archiv Witten wird Gobele "de tho Tospele wohnet" 1362
erwähnt, dass er gegenüber Hermann von Witten, Gerdes Sohn, einen
Verkauf tätigte. Dieser "Gobele de Tospele" hatte im Jahre 1367 den
Freyenstuhl zu Baukum als Vrygraf inne, d.h. er erwarb beim Oberamt
Bochum die Gerichtsbarkeit (Freistuhl) für das von ihm verwaltete
Gebiet (Dörfer, Marken und Flure). Zwar sind Gebietsausdehnung, Ort und
Einzelheiten des Oespeler Freistuhls leider nicht überliefert, aber dem
Freigrafen standen unter den sieben Freischöffen zwei zur Seite, deren
Namen bekannt sind: Grewe und Brinkholt.
1380 gehörten zum Gut "up dem Myddeldorpe" außer Äckern noch "veyr unde
twentich schare holtes in de Ovessen und achteynde halve schare holte
in de mark Tospele". Schare waren das Anrecht auf eine gewisse Menge
Brennholz und das Recht eine bestimmte Anzahl Schweine zur Mast in die
Mark zu treiben (Ovesse = Waldgebiet an der Oeverscheidt, mark Tospele
= heute das Gebiet zwische Markenwaldweg und Borussiastraße). Der
Dorneywald war in Marken aufgeteilt und hatte einen sehr alten
Laubbaumbestand aus Buchen und Eichen, vereinzelt auch Ahorn und
Linden. Er dehnte sich etwa bis an die heutige Borussiastraße aus. Wald
und Heide waren Eigentum der Bauern und wurden zum Holzeinschlag und
zur Viehweide (Schweine) genutzt. Durch die "Suorgestrote" (heute
Pestalozzistraße) führte "Schweens Karl" das Oespeler Borstenvieh zur
"Hude" in den Dorney. Am "Muttenohr" (heute Parkplatz der
S-Bahn-Haltestelle Oespel) war der Versammlungsplatz der Herde
Die Spur des Gobele de Tospele verliert sich um den Zeitraum der
Dortmunder Fehde (21.2.1388 - 20.11.1389), einer kriegerischen
Belagerung der Grafen von der Mark, auf deren Seite er als Ritter
verpflichtet war, gegenüber der freien Reichsstadt Dortmund. Während
der Dortmunder Fehde wurde der Ort am 19.7.1388, einem Sonntag, von den
Dortmunder Soldaten überfallen (vermutlich ist er in diesem Scharmützel
gefallen).
Nach der Vereinigung der Grafschaft Mark mit dem Herzogtum Kleve 1394
gab es immer wieder Auseinandersetzungen und Bruderkriege. In diese
Zeit fällt auch die wohl traurigste Aufzeichnung der Oespeler
Geschichte: "1417 brandschatzten die Bürger von Hamm, die zu Adolf IV.
von Kleve-Mark hielten und dessen Bruder Gerhard von der Mark Feind
waren, nicht allein Tospelle, sondern auch Luttiken-Dortmunde und
Marthen."
Als die Grafen von der Mark aufgrund einer allgemeinen Versteuerung im
Jahre 1486 ein Schatzbuch anlegten, das sogenannte "Schlatboik in
Mark", wurde zur Landessteuer eingeschätzt in der Gemeinde Tuspell
hiernach 13 große und 8 kleine Höfe, die Abgaben in Gulden
entrichteten.
1512 gingen die Grafschaften, Herzogtümer und Veste in den
Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis auf, der sich von Flamen bis
zur Nordsee bei Cuxhafen erstreckte.
Um 1590 fielen die Spanier unter Oberst La Barlotta ein. Sie "übten
sonsten große Tyrannei und Mutwillen an Manns- und Weibspersonen mit
Morden und Schänden".
Die Umwandlung des Namens zu Oespel erfolgte nach 1609, mit der Teilung
des Reichskreises und dem Aufgehen der Grafschaft Mark in das Haus
Brandenburg-Preußen.
Eine weitere schicksalsreiche Aera stellt für Oespel der 30-jährige
Krieg (1618-1648) dar. Kaiserliche Truppen plünderten 1628 den
Nachbarort Stockum und fielen auch in Oespeler Höfe ein, zu dieser Zeit
noch ein Glaubenskrieg gegen "abtrünnige Protestanten". Nach der
Belagerung durch holländische Truppen 1635 wurden diese durch
kaiserlichen Truppen 1636 vertrieben. Die größte Zahl an Opfern brache
1637 die Pest, bei der jedoch in unseren Nachbarorten deutlich mehr
Menschen ihr Leben lassen mussten. Der 30-jährige Krieg endete 1648 mit
dem Westfälischen Doppelfrieden zu Münster und Osnabrück und
beurkundete die Gleichberechtigung der Konfessionen.
Von 1654 existiert eine Feuerstättenverordnung für das Oberamt Bochum,
die über bestehende Oespeler Höfe und Häuser von 20 Gebäuden und
einigen Kötterhäusern Aufschluss gibt, die insgesamt 29 Feuerstellen
aufwiesen. Es waren die drei Erbhöfe Wulff, Ostermann (Middelschulte)
und Hagemann sowie die Höfe Schulte (Vieseler-Schulte), Bockholt,
Westermann, Winkelmann (Göckenjahn) u. a. Gutsherren, an die Pacht zu
entrichten war, waren die Klöster St. Catharina zu Dortmund, das
Marienborn zu Lütgendortmund, das Schwartze Kloster zu Dortmund, die
Kirche zu Langendreer und die Schule zu Dortmund. Weiterhin wird im
Backhaus auf dem Köttingschen Overhoff ein "Feldweibel welcher Schul
hält" genannt. Hier wird erstmalig Oespeler Schuluntericht
nachgewiesen.
Die erwähnten Kötterhäuser waren einfach, alles Wohnliche fehlte, und
sie wurden in Nachbarschaftshilfe aufgebaut. Nach Fertigstellung fand
eine Gebefeier als Zeichen der Dankbarkeit des Besitzers statt, aber
auch als weitere Hilfe, da jeder nach seinem Vermögen Gelder oder
Geschenke mitbrachte.
1666 wurde Oespel in der Preußisch-Westfäfischen Grafschaft Mark dem
Hördischen Kreis zugeordnet und stellte die östliche Außengrenze des
Verwaltungsbezirkes Bochum dar. Etwa zu dieser Zeit wurden auch im
Dorney die ersten Kohlefunde nachgewiesen, wo eine nur wenige Meter
dicke Mergelschicht das Kohlegebirge bedeckt. Dass man dort mit großem
Risiko schürfte, beweisen Unglücksfälle, die im Sterberegister der
evangelischen Kirche Lüttgendortmund zu finden sind: 29.1.1681
"Hindrich Greue zu Oespel todt im Kohlberg blieb", 1695 kam der
"Bergmann Kruse dort zu Tode".
Das Lütgendortmunder Kirchenbuch von 1735 vermittelt Informationen über
den damaligen Oespeler Schulmeister Kellermann, der im Schulhaus "Auf
der Linnert" (heute Parkplatz der S-Bahn-Haltestelle Oespel) die
Wohnung mit dem Sauhirten teilen musste. Ab 1741 waren über 100 Jahre
mehrere Generationen einer Familie Wupper hier Lehrer. Sie waren
Schreiber und Zeugen bäuerlicher Akten. Der siebenjährige Krieg
(1756-1763 zwischen Frankreich/Österreich/Russland unter Ludwig XV. und
Preußen/England unter Friedrich II.) führte 1759 zur Einquartierung
französischer Truppen, die Felder verwüsteten und großen Schaden
anrichteten. Mit dem Frieden von Hubertusburg feierte die Gemeinde
Lütgendortmund mit seinen umliegenden Gemeinden ein großes Friedensfest.
1771 genehmigt Kaiser Friedrich der Große die Teilung der Oespeler
Marken-wälder, um größere Einkünfte zu erzielen.
1806 wurde das Gebiet durch napoleonische Truppen belagert. Auf seiner
Durchreise habe Napoleon im "Roten Haus" in Marten genächtigt. Der
Frieden von Tilsit am 7.7.1807 zwischen Frankreich und Russland an der
Demarkationslinie auf der Memel beinhaltete das Gesetz der
Bauernbefreiung von der Gutsuntertänigkeit. Die Bauern wurden
Eigentümer von Hof und Grund, Abgaben mussten sie dennoch entrichten.
War das franko-russische Abkommen noch ein Abkommen unter Gleichen,
hatte der mit Preußen zwei Tage später geschlossene Vertrag den
Charakter eines Diktatfriedens. Zwar verhinderte die Intervention des
Zaren die von Napoleon angestrebte endgültige Liquidation Preußens,
doch wurde der Gebietsbestand um nahezu die Hälfte reduziert.
Die westelbischen Ländereien wurden dem neu gegründeten Königreich
Westphalen einverleibt. Unter der Herrschaft von Napoleons Bruder
Jerome zählt das Oespeler Gebiet nun zum Großherzogtum Berg,
Departement Ruhr, Arrondissement (Bürgerrmeisterei) Dortmund. Damit
verliert Dortmund auch seine Stellung als freie Reichs- und Hansestadt.
Nach der Rückeroberung durch Preußen in der Völkerschlacht von Leipzig
1813, wird die Region wieder zur Preußischen Grafschaft Mark, am
30.4.1815 dann zur Provinz Westfalen, Regierungsbezirk Arnsberg, 1817
nochmals unterteilt in den Landkreis Dortmund, Bezirk Lütgendortmund.
1826 entsteht das "Urkataster", ein Verzeichnis sämtlicher Grundstücke
im Bezirk Lütgendortmund. Die Gemeindekarte Ospels von 1826 zeigt eine
Besiedlung von ca. 50-60 Häusern mit 350 Einwohnern. Den Grundriss des
Dorfes bildet ein Viereck von der heutigen Borussiastraße bis zum
Schultenhof und von der Overhoffstraße bis zur
Linnert/Ewald-Görshop-Straße.
Der bäuerliche Charakter der Ortschaft Oespel änderte sich mit
einsetzender Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Im Waldgebiet
Dorney wurden schon immer die dort zu Tage tretenden Kohleflöze
ausgebeutet. Erste Tiefbauzechen wurden dann um 1850 mit der Zeche
Germania am Schnittpunkt von Oespel, Marten und Lütgendortmund
errichtet. Im Jahr 1856 veränderte sich das Bild mit Errichtung der
Zeche Borussia (ab 1911 Zeche Oespel) schlagartig. Am westlichen
Ortsrand ragten Fördergerüste auf, schwarzer Qualm stieg gen Himmel,
Bergmannssiedlungen entstanden und das Leben der Menschen richtete sich
nicht mehr allein nach dem Wechsel der Jahreszeiten, sondern auch nach
den Sirenen der Zechen, in denen die Bergleute in drei Schichten Kohle
förderten. Da der Hauptschacht sich näher an Kley als an Oespel befand
(heutiges IKEA-Gelände bis zum Kleyer Weg), entstanden die
Bergmannssiedlungen, wie z.B. die "Kolonie Borussia", auf Kleyer
Gebiet. In Oespel dagegen wurden nur einzelne Bergmannskotten dort
gebaut, wo zwischen den bäuerlichen Gehöften gerade Platz war.
Daneben wurden auch leer stehende Häuser aufgekauft und für die
Arbeiter instandgesetzt. Somit hat der Kohlenbergbau das Bild des alten
Ortskerns nur gering beeinflußt, trotz des relativ raschen Wachstums am
südlichen und östlichen Ortsrand. Zeitgleich bekamen die Zechen eine
Anbindung an das Eisenbahnnetz der Rheinischen Eisenbahnen und mit den
neuen Arbeitsplätzen kamen neue Bürger aus benachbarten westfälischen
Gebieten, Hessen, Thüringen, Ost- und Westpreußen. Sie siedelten sich
vorwiegend im Bereich zwischen den Zechen an, der heute noch als
"Station" bekannt ist (Steinhammerstraße).
Bei der sprunghaft angewachsenen Bevölkerung baute man 1875 gegenüber
des alten Schulhauses "Auf der Linnert" die "evangelische"
Wilhelmschule (heute Grundschule "Auf der Linnert") mit vier
Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen, später eine "weltliche"
Volksschule. Mit der "katholischen" Borussiaschule wurde 1894 eine
weitere Schule eingeweiht in die 104 Schüler umzogen, die ab 1887 in
einer alten Küferwerkstatt an der Steinhammerstraße untergebracht
waren. Diese befand sich an der Borussiastraße (heutiges Real-Gelände
gegenüber Vosswinkel).
Die ältesten Gräber der Bauerndynastien auf dem Oespeler Friedhof
datieren mit 1890 (Bockholt), 1892 (Ostermann-Middelschulte), 1894
(Kötting) und 1896 (Paßmann) vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Am 30.5.1901 wurde in der Orstmitte Oespels der Grundstein für die
evangelische Kirche gelegt, die am 24.7.1902 eingeweiht werden konnte.
Eine selbständige Kirchengemeinde gab es aber erst ab dem 15.8.1907.
Für die katholische Gemeinde stand mit der Herz-Jesu-Kirche an der
Engelbertstraße ab 1907 ebenfalls ein Gotteshaus zur Verfügung.
Wurde in den ersten 50 Jahren die Förderleistung der Zechen verdoppelt,
verdreifachte sich von 1910 bis 1930 sogar die Menge auf 618.000 t.
Auffällig ist jedoch ein starker Abfall im Jahre 1906 aufgrund
zeitweiser Stillegung nach einem Brandunglück am 10.7.1905. Das sagt
aber nichts über das Leid aus, das duch den Tod von 39 Bergleuten über
die Bevölkerung kam, zumal nur 14 Tote zutage gefördert werden konnten,
während die anderen 25 erst nach knapp einem Jahr geborgen werden
konnten. 17 dieser Opfer ruhen auf einem gemeinsamen Grab des Oespeler
Friedhofs. Die Kleyer Brandschachtstraße erinnert heute noch an das
schwerste Grubenunglück der Zeche.
Der 1. Weltkrieg (28.7.1914-11.11.1918) forderte bei der männlichen
Bevölkerung Oespels zahlreiche Opfer, die in kriegerischen
Auseinandersetzungen gefallen sind. Auch die Bauernschaft Oespels wurde
stark dezimiert: z.B. sind Gustav Bockholt, Heinrich Kötting II.,
Wilhelm Ostermann und Wilhelm Paßmann in den Kriegswirren gefallen.
Nach Streitiggeiten über Reparationszahlungen des Versailler Vertags
musste auch Oespel die Ruhrbesetzung (Januar 1923-Juli 1925) durch
französische Truppen über sich ergehen lassen.
Die Gemeindereform der Weimarer Republik brachte am 1.4.1928 neue
Verwaltungszu-ständigkeiten. Die Landkreise Dortmund und Hörde wurden
aufgelöst und mit ihren Bezirken und Gemeinden in die Stadt Dortmund
eingemeindet. Vortan ist Oespel ein Dortmunder Vorort an der Grenze zum
Wittener Vorort Stockum, der zuvor dem Amt Langendreer unterstand.
Zahlreiche Straßennamen mussten geändert werde, da diese bereits an
anderer Stelle im Dortmunder Stadtgebiet vorhanden Waren: Aus
Friedrichstraße wurde "Am Schultenhof", aus Kirchstraße
"Borussiastraße", die Oespeler Straße, Stockumer Straße und Mühlenweg
wurden zur "Ewald-Görshop-Straße" zusammengefasst, aus "Auf der Heide"
wurde "In der Oeverscheidt", die Roonstraße bekam den Namen "Oespeler
Dorfstraße", die Martener Straße nun "Overhoffstraße", die Südstraße
hieß jetzt "Ruthstraße" und die Dorstfelder Straße "Wittener Straße".
1929 wurde der Oespeler Bach eingedämmt, neben dem Meilenbach an der
Oeverscheidt einem von zwei Oespeler Bachläufen. Der Oespeler Bach
tritt am Schultenhof zutage und verläuft in nördlicher Richtung. Er
überschwemmte vorher oft das angrenzende Gebiet und schaffte so eine
Sumpffläche, die wegen des hier vorkommenden Baumbestandes "Bierke"
genannt wurde und im Winter ein Tummelplatz für die
schlittschuhbegeisterte Jugend war.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde 1935 (mit dem Hintergedanken
der patriotischen Motivation der Bürger) am Eingang zum Dorney das
Mahnmal zu Ehren der gefallenen Soldaten des 1. Weltkriegs errichtet.
Weiterhin entstand ab 1936 im Gebiet zwischen dem Dorfkern, dem
Förderschacht Oespel II und dem Dorney eine sog. Ley-Siedlung, ein
Siedlungstyp bestehend aus Einfamilienhäusern inmitten von Gärten. Man
wollte darin Beamte, Arbeiter und Bergleute bodenständig machen, indem
man die Miete als Abzahlung für ihren Besitz anrechnete, welcher nach
einiger Zeit in ihr Eigentum überging (benannt nach
Reichsorganisationsleiter und Minister Robert Ley). Diese Sieglung
hatte in ihrem Zentrum einen Dorfplatz, der ursprünglich als zentraler
Versammlungsort für Aufmärsche gedacht, dann aufgrund der
Lebensmittelknappheit des 2. Weltkrieges den umliegenden Anwohnern, in
Parzellen unterteilt, als zusätzliche Gemüsegärten diente, hinterher
jedoch wieder als Grünfläche renaturalisiert wurde.
Aufgrund der industriellen Dichte der Region blieb auch Oespel im 2.
Weltkrieg nicht verschont von englischen und amerikanischen
Bombardements, direkten Opfern und Bürgern, die in diversen
Kriegsschlachten fielen (vorwiegend im Kessel von Stalingrad). So
fielen zahlreiche Bomben auf Oespeler Gebiet (ab und an werden bei
Grabungsarbeiten noch Blindgänger gefunden), die evangelische Kirche
und die Wilhelmschule wurden am 4.6.1941 bei Luftangriffen der
Engländer stark beschädigt, in der Siedlung stürzte ein englischer
Jagdbomber zwischen die Häuser, im Dorney musste ein amerikanischer
Helikopter notlanden. Die Bürger mussten in Ihrer Hungersnot hamstern
gehen oder im Luftschutzbunker am Förderschacht der Zeche Oespel II
Zuflucht suchen. nach zunehmenden Angriffen begann die
"Kinderlandverschickung": 333 Schüler, 119 Mütter, 62 Kleinkinder und
18 Erzieher aus Oespel, Kley und Somborn rollten mit einem Transport
nach Stockach in Südbaden. Ihre Rückführung fand im Sommer 1945 statt.
Noch heute erinnert ein kleines Kriegsgräberfeld auf dem Oespeler
Friedhof an Verstorbene des 2. Weltkriegs.
Im "Ruhrkessel" einer Kesselschlacht, die im April 1945 im Ruhrgebiet
und in Westfalen stattfand, der letzten großen Schlacht auf dem
europäischen Kriegsschauplatz, nahmen am 10.4.1945 nach starkem
Artilleriegefecht amerikanische Truppen Oespel ein, sie plünderten
teilweise die letzten Wertgegenstände der Einwohner. Opfer dieses
Gefechtes wurden u.a. der Landwirt Heinrich Bockholt und Hugo
Heinrichs. Die Alliierten bemühten sich, die ausländische
Zwangsarbeiter der Zechen so schnell wie möglich in die Heimatländer
zurückzuführen. Am 7.6.1945 zogen die Amerikaner wieder ab, und die
Engländer übernahmen die Besatzung. Etliche männliche Oespeler wurden
zur Kriegsgefangenschaft überstellt.
Der Wiederaufbau zerstörter Eigentümer erfolgte in den 50er Jahren des
letzten Jahrhunderts vielfach in Eigenleistung, Gärten und Felder
dienten der Lebensmittel-versorgung und der dörflichen Expansion.
Einzelhandel und Handwerk prägten fortan das geschäftliche Treiben in
Oespel, Selbsthilfe und der Sinn nach dörflicher Gemeinschaft ließen
die Kriegsschäden allmählich vergessen und gestalteten den Ort zu dem
noch heute aktuellen Bild. 1954 wurde u.a. der völlig zerstörte
Westflügel der Oespeler Schule wieder aufgebaut. Mit dem seit 1955
erfolgten Ausbau des Rheinlanddamms (B1) wurden zwei
landwirtschaftliche Betriebe (Paßmann und Feldmann) aufgegeben, da sich
die Anbauflächen so stark verringert hatten, dass eine
Weiterbewirtschaftung unrentabel geworden wäre. Das verbliebene
Ackerland übernahmen die anderen Bauern. In den Gebäuden des
Paßmannschen Hofs richtete sich eine Möbelschreinerei ein und die
Gebäude des Feldmannschen Hofs wurden im Zuge des S-Bahnbaus
abgebrochen.
Als letztes Bergwerk von vieren auf Oespeler Gebiet (Zechen
Borussia/Oespel, Planetenfeld, im weißen Feld und Oespel II) wurde die
Zechen Oespel und Oespel II (Gebiet des heutigen
Passmannweg/Brinksitzerweg) am 30.9.1962 stillgelegt. Das war der große
Startschuss zur Umstrukturierung Oespels. Ab 1969 erwuchs auf dem
Gelände der Zeche Borussia/Oespel mit dem "Indupark" ein attraktives,
gut besuchtes Gewerbegebiet mit überwiegend angesiedeltem Einzelhandel
in verkehrsgünstiger Lage zwischen B1/A40 und der Sauerlandlinie. Seit
dieser Zeit dient Oespel der Bevölkerung vorwiegend als Wohn- und
Schlafgebiet, als "Grüne Oase" im industriellen Ballungsraum mit
dörflichen Charakter. Nur ca. 10% der Erwerbstätigen geht seiner
Beschäftigung im Ort nach, die übrigen pendeln täglich zum Arbeitsplatz
nach Dortmund, Bochum, Witten oder in andere angrenzende Vororte.
Nach Fertigstellung der Echeloh-Siedlung in Kley 1963/64 wurde ein
neuer Schulbau dringend nötig. So entstand im Grenzgebiet der beiden
Gemeinden 1965 die Hauptschule. Die beiden Volksschulen in Oespel und
Kley dienen seit dem als reine Grundschulen. Angrenzend an den Dorney
im Süden Oespels errichtete das CVJM einen Ausbildungs und Wohnpark für
Jugendliche, das "Jugenddorf".
Östlich des Dorfkerns verläuft die Autobahn A45 "Sauerlandlinie"
genannt. Der Landkauf für den Abschnitt zwischen dem Autobahnkreuz
Dortmund-West und dem Westhofener Kreuz erfolgte 1967, bereits drei
Jahre danach wurde dieser Abschnitt für den Verkehr freigegeben. Die
Trasse schneidet direkt die Bebauung der heutigen Julius-Vogel-Straße,
es musste aber kein Haus abgebrochen werden.
Mit dem 1968 begonnenen und 1971 fertig gestellten Bau der Kirche
"Christus unser Friede" steht nun auch der katholischen Gemeinde
zentral ein Gotteshaus zur Verfügung. Die Herz-Jesu-Kirche wird seit
dem von der serbisch-orthodoxen Gemeinde als Glaubenszentrum genutzt,
das alte Gemeindehaus dient buddhistischen Gläubigen nach Auflösung des
katholischen Kindergartens als Gebetstempel und Begegnungsstätte.
Der Bau der S-Bahn-Trasse 1975 zwischen Dortmund und Düsseldorf
durchschnitt das Ortsbild. Durch Oespel führt die S-Bahn als Hochbahn
auf Betonstelzen und teilt somit den gewachsenen Ortskern. Zahlreiche
Gebäude mussten den Baumaßnahmen weichen: Der Feldmannsche Hof, die
"Alte Schule", der "Schützenhof", das "Hindermann-Haus", etc.
Im Rahmen des Schützenfestes wurde am 12.9.1982 anlässlich der
1100-Jahr-Feier Oespels am Dorfplatz ein Gedenkstein, die "Oespeler
Steele", feierlich an den Bürgermeister Willy Spaenhoff übergeben.
Mit der Flächenbebauung in den 80er Jahren an der Kleybredde
(Bildungswerk und Aula des Jugenddorfes, Freiwillige Feuerwehr,
Altenbegenungsstätte) sowie der Siedlungserweiterung im Oespeler Westen
in den 90ern (Umsiedlung Dorstfelder Bürger, von der Stadt Dortmund
entschädigt, da ihre Häuser aufgrund toxischer Bodenbelastungen
abgerissen werden mussten) wurden dann endgültig die Freiflächen
zwischen Oespel und Kley geschlossen. Lediglich ein Grünstreifen neben
der Hauptschule ist noch übrig geblieben.
Mit der Verbindung des Induparks und des Technologiezentrums, dessen
Ausläufer mittlerweile das östliche Ortsgebiet erreicht haben, durch
den Ausbau der Brennaborstraße, verschwand Ende der 90er der zunehmend
stärker werdende Durchgangsverkehr im Ortskern. Die Wittener Straße
wurde im Oespeler Bereich zur Julius-Vogel-Straße (Oespeler Bürger und
Bezirksvorsteher in den 80ern), im unteren Bereich am Ende der
Oeverscheidt zum Sebrathweg (als Reminiszenz an einen der ersterwähnten
Namen Oespels von 882).
Am 1. 8.1997 nahm das 65 Meter hohe Windrad "Airwin" an der Ortsgrenze
zu Eichlinghofen seine Arbeit auf. Mit einem Rotordurchmesser von 40,3
Meter produziert es pro Jahr etwa 850.000 kWh Strom (das entspricht
etwa dem Jahresverbrauch von knapp 300 Vier-Personen-Haushalten).
Dienen heutzutage die meisten der alten Gutshöfe als Wohngebäude und
die Dreschgebäude als Garagen, Läger und Handwerksbetriebe, so wurde
der Wulffshof 1999, nach jahrelanger Nutzung als sintertechnischer
Betrieb, aufwendig restauriert und als exklusives Bürogebäude umgebaut.
Seit 2004 weist der Flächennutzungsplan der Stadt Dortmund den
teilweise in Oespel gelegenen "Dorneywald" mit einer Fläche von 40,4 ha
als Naturschutzgebiet aus. Die offizielle Bezeichnung lautet
"Naturschutzgebiet Nr. 25 - Stadtbezirk Lütgendortmund".
Im September 2005 wurde erstmals auf der neuen Festwiese zwischen
Brennaborstraße und Schultenhof das Schützenfest ausgetragen, das in
den Jahren zuvor vier Mal den Standort wechseln musste.
Das Planungsamt der Stadt Dortmund hat am 11.06.2007 einen Vorentwurf
für die neue Oespeler Schleife an der S-Bahn veröffentlicht: Fläche ca.
70 x 35 m für 5 Haltepositionen mit Wartehäuschen, 25 P+R-Parkplätze, 2
Behinderten-Parkplätze, Baubeginn ca. Ende 2008, Bauzeit ca. 7 Monate.
Für diese Maßnahme wurde vom benachbarten Hof Middelschulte ca. 500 qm
Grundstücksfläche zugekauft.
Auf Initiative des BSV Oespel-Kley und Bestätigung der
Genehmigungsfreiheit durch den Regierungspräsidenten in Arnsberg erhält
Oespel am 18.10.2007 die Freigabe zur offiziellen Oespeler Flagge.
Diese, von Roy Jasper entworfene Fahne, zeigt das Oespeler Wappen auf
3-fach horizontal geteiltem Hintergrund in grün, gold und schwarz. Die
offizielle Präsentation mit Flaggenparade auf dem Vorplatz der Oespeler
Kapelle erfolgt im Rahmen des Adventsmarktes am 9.12.2007.
Nach vorbereitenden Planierungsarbeiten erfolgte am 7.11.2007 der
offizielle erste Spatenstich für den Neubau der Grundschule Oespel/Kley
an der Kleybredde, direkt neben der Hauptschule. Der dreigeschossige
Schulbau erfolgt in Fertigmodulbauweise und soll über eine Fläche von
2.600 m verfügen. Der Bau soll Anfang August 2008 fertig gestellt sein.
Oespel hat eine Gesamtfläche von 414,6 ha, einen Höhenunterschied von
57,5m (85m –142,5m ü.NN) befindet sich auf den Koordinaten 51°29’11” N
/ 7°22’55” O und hat 4.326 Einwohner (Stand 31.12.2007). Der Anteil der
Bürger mit Migrationshintergrund beträgt 5,0%, die Erwerbslosenquote
7,7%.
Quelle: "Oespel im Wandel der Geschichte – Eine chronologische Zeitreise von
1125 Jahren", Roy Jasper, © 2007
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